Omya Agro positioniert sich als Anbieter von Pflanzenschutz- und Düngelösungen. Bereichsleiter Lucas Burkhard erklärt im Gespräch, warum Beratung immer komplexer wird, weshalb Wirkstoffverluste die Praxis fordern.

Herr Burkhard, wo sehen Sie die Stärken von Omya Agro im Vergleich zu anderen Anbietern im Pflanzenschutz- und Düngermarkt?
Lucas Burkhard: Aus meiner Sicht braucht es zwei Voraussetzungen: erstens ein qualitativ starkes Produktportfolio mit einem Lösungsangebot für möglichst alle Kulturen. Zweitens ein herausragendes Team – gerade in der Pflanzenschutzberatung ist das matchentscheidend. Klar leben wir vom Verkauf der Produkte, aber wir verkaufen auch Wissen. Beides haben wir.
Welche Produktlinien sind aktuell die wichtigsten Pfeiler im Omya-Portfolio für die Schweiz?
Der klassische Pflanzenschutz ist nach wie vor mit Abstand Nummer eins – und das gilt nicht nur für die konventionelle Landwirtschaft, sondern genauso für Biobetriebe. Gleichzeitig verschiebt sich einiges: Weil Zulassungen stocken oder lange dauern, versucht die Forschung vermehrt, Lösungen im Bereich der Pflanzennährstoffe und Biostimulatoren beziehungsweise Biologicals zu finden. Das Portfolio an Biostimulanzien ist in den vergangenen Jahren deutlich grösser und besser geworden, bleibt aber noch auf einem viel tieferen Niveau als die klassischen Pflanzenschutzmittel. Die Anforderungen an die Zulassung sind bei Pflanzenschutzmitteln viel höher, das bremst die Entwicklung.
Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob eine neue Lösung ins Sortiment von Omya passt?
Wir schauen so breit wie möglich in alle Richtungen und prüfen zuerst, ob ein Produkt in unsere Strategie passt – fachlich, regulatorisch und marktorientiert. Entsprechend wird entschieden: Nur was fachlich überzeugt, ins Sortiment integriert werden kann und den Betrieben einen echten Mehrwert bringt, findet den Weg zu uns.
Der Trend geht klar in Richtung weniger Wirkstoffe. Was bedeutet das für die Praxis?
Wir verlieren laufend Wirkstoffe, und neue Wirkstoffe kommen deutlich weniger nach. Das ist ein klarer Trend, den wir seit Jahren beobachten. Damit steigen die Anforderungen an die Betriebe und an uns als Beratung. Die Anforderungen an die Zulassungen sind massiv höher geworden. Gerade im Ackerbau mit Problemunkräutern wie Ackerfuchsschwanz oder Raygras sehen wir, dass die Herausforderungen eher grösser als kleiner werden.
Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen beim Schutz der Kulturen?
… dass wir mit den verbleibenden Möglichkeiten unsere Kulturen überhaupt noch ausreichend schützen können. Im Aktionsplan Pflanzenschutz ist dieser Aspekt eher stiefmütterlich behandelt worden. Erst jetzt rückt das wieder stärker in den Fokus. Man kann sagen, wir bringen es in der Regel noch hin, aber der Aufwand ist deutlich höher geworden. Und dieser Aufwand ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich, je nach Kulturen, Böden, Schaderreger und Krankheitsdruck.
Wie beurteilen Sie die Zulassungssituation in der Schweiz?
Positiv ist, dass sich die Schweiz in vielen Bereichen stärker an die Entscheide der EU annähert. Das schafft eine gewisse Harmonisierung und Planungssicherheit. Was wir allerdings nach wie vor haben: Die Bewilligung neuer Produkte ist in der Schweiz deutlich schleppender als in der EU. Wir warten sehr lange. Mit der neuen Pflanzenschutzverordnung wird angestrebt, diese Fristen zu verkürzen. Auch wenn die Zulassung der Wirkstoffe neu von der EU übernommen werden, ist damit das konkrete Produkt noch nicht registriert.
Ist der Beratungsaufwand höher als vor zehn Jahren?
Das ist massiv gestiegen. Wir müssen heute eine Vielzahl von Auflagen, Anwendungseinschränkungen und unterschiedlichen Labels berücksichtigen. Das macht die Planung und Umsetzung deutlich aufwendiger. Dazu kommt, dass die Produkte spezifischer wurden und nicht mehr so breit in der Wirkung sind. Früher konnte man mit einem Produkt mehrere Probleme gleichzeitig lösen, heute ist es häufig so, dass ein Mittel ein Problem adressiert und man für die weiteren Probleme separate Strategien finden muss
Pflanzenschutz geht in Richtung Spezialisierung. Welche Rolle spielen dabei Lohnunternehmer?
Der Trend zur Spezialisierung ist klar. Pflanzenschutz ist heute ein hochkomplexes Themenfeld, in dem Technik, Timing, Mittelwahl und Dokumentation zusammenwirken müssen. Hier kommen die Lohnunternehmer immer stärker ins Spiel. Sie sind häufig hoch spezialisiert, verfügen über moderne Technik und sind fit in der Anwendung und im Umgang mit den Auflagen. Ich bin überzeugt, dass ihre Bedeutung weiter zunehmen wird. Viele Betriebe werden sich fragen, ob sie alles selber machen oder gezielt auf professionelle Dienstleister setzen.
Welche zusätzlichen Herausforderungen sehen Sie am Horizont?
Der Wirkstoffverlust wird weitergehen, das ist Fakt. Das macht die Situation nicht einfacher. Dazu kommt die PFAS-Thematik (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen), die uns als Branche stark beschäftigt. Wir arbeiten daran, Lösungen zu finden, aber es ist ein komplexes Feld. Gleichzeitig tauchen immer wieder neue Schädlinge und Krankheiten auf, für die wir nicht sofort optimale Lösungen haben. Diese Kombination – weniger Wirkstoffe, neue Anforderungen, neue Schaderreger – sorgt dafür, dass wir uns laufend anpassen müssen.
Welchen Rat geben Sie einem jungen Landwirt oder einer jungen Landwirtin, die ihren Betrieb zukunftsfähig aufstellen wollen?
Ich würde klar zur Spezialisierung raten. Such dir ein Gebiet, in dem du wirklich stark bist, und werde dort richtig gut. Gleichzeitig ist es entscheidend, den Markt im Blick zu behalten: Was fordert der Markt, welche Qualitäten werden verlangt, wie entwickeln sich die Absatzkanäle? Die Anforderungen an Qualität werden nicht nachlassen, im Gegenteil. Und der Druck aus dem Ausland wird eher höher werden.
Jetzt wollen wir noch einen Blick in Ihre Freizeit werfen: Wo erholen Sie sich?
Im Sommer hornusse ich bei der AG Schwarzhäusern-Aarwangen. Das ist für mich ein schöner Ausgleich und tief in der Region verwurzelt. Im Winter bin ich gern im Berner Oberland auf den Ski unterwegs – besonders in Grindelwald.
Zum Schluss noch ein paar Entweder-oder-Fragen: Wein oder Bier?
Wenn ich Durst habe, greife ich zum Bier. Zum Essen geniesse ich allerdings sehr gern ein Glas Wein.
Musik oder Stille?
Ich bin nicht besonders musikalisch, aber ich höre sehr gern Musik – und lasse die anderen machen.
Frühaufsteher oder Nachteule?
Weder ausgeprägter Frühaufsteher noch klassische Nachteule. Ich bewege mich irgendwo dazwischen.
Raclette oder Fondue?
Ich möchte keines von beiden missen.
Interview/Foto: Kirsten Müller
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