Wer Futter versteht, macht Leistung

Auf dem Römerhof in Rickenbach (ZH) verbindet die Familie Widmer Rindermast mit einem breit aufgestellten Lohnunternehmen. Beim Rundgang wird schnell klar: Hier greifen Präzision, Erfahrung und Leidenschaft ineinander, und zwar über Generationen hinweg.

Die Geschichte des Betriebs in den Händen der Familie Widmer beginnt 1932. Schon früh rückte der Futterbau ins Zentrum der betrieblichen Entwicklung. 1947 wagte die Familie den Einstieg in den Maisanbau – zu einer Zeit, als diese Kultur in der Schweiz noch keineswegs etabliert war. Nur zwei Jahre später folgte mit dem Bau der ersten Betonsilos ein entscheidender Schritt in der Futterkonservierung. Plötzlich konnte Futter in grösserem Stil und unter deutlich besseren Bedingungen gelagert werden.

Grundstock für Lohnunternehmen

Die Mechanisierung schritt rasch voran: 1955 wurde der erste Feldhäcksler angeschafft, ein Scheibenradhäcksler, der die Effizienz der Futterernte deutlich erhöhte. Anfang der 1960er Jahre folgten ein Maissägerät sowie der erste selbstfahrende Cornpicker. Diese Investitionen waren kostspielig – und legten gleichzeitig den Grundstein für ein zweites Standbein: die Lohnarbeit. In den 1970er Jahren wurde der Futterbau mit dem Anbau von Luzerne weitergestärkt.

Neben der Rindermast bietet das Lohnunternehmen ein breites Spektrum an Dienstleistungen an: Winterdienst, Saatarbeiten für Zuckerrüben, Sonnenblumen und Mais sowie Spezialkulturen wie Kürbis, dazu Pflanzenschutzarbeiten. Für die Ernte stehen zwei Rundballenpressen und eine Quaderballenpresse bereit. Drei Mähdrescher kommen in Getreide, Sonnenblumen und Körnermais zum Einsatz, ergänzt durch die Gras- und Maishäckselernte. Das Einsatzgebiet befindet sich heute in rund 20 km Umkreis – früher war man teilweise deutlich weiter unterwegs.

Geführt wird der Betrieb gemeinschaftlich: Jakob und Ruth Widmer, Roland Widmer, Bruder von Jakob, sowie die Söhne Jakob-Andreas genannt Jaki, Daniel und Thomas tragen gemeinsam die Verantwortung. Seit 2021 ist der Römerhof als AG organisiert. Im Lohnunternehmen werden Entscheidungen innerhalb der Familie abgestimmt. Unterstützt wird der Betrieb durch ein bis zwei Lernende sowie zwei Mitarbeitende. Die Werkstattarbeiten liegen in den Händen von Roland Widmer, gelernter Landmaschinenmechaniker, sowie von Thomas und Jaki.

Was den Römerhof besonders macht, ist der Beratungsanspruch im Lohnunternehmen. Die Familie versteht sich nicht nur als Dienstleisterin, sondern als Begleiterin ihrer Kundschaft durch das ganze Jahr. Das spürt man, wenn Jakob Widmer den Betrieb vorstellt. Kulturbeobachtung, Futterqualität und Ertrag stehen im Fokus – Maschinenarbeit und Beratung gehen dabei Hand in Hand.

Standbein Munimast

Die Kälber vorwiegend der Rassen Limousin, Charolais und Weissblaue Belgier kommen mit rund 75 kg Lebendgewicht im Alter von etwa drei Wochen auf den Betrieb. In den ersten acht Wochen werden sie mit Milch und Heu aufgezogen, bevor schrittweise auf die Mastration umgestellt wird. Diese basiert auf etwa 50 % Silomais, rund 10 % Grassilage und etwa 12 % Zuckerrübenschnitzeln, ergänzt durch Trockenfutter und Wasser. Entscheidend ist dabei die Qualität des Grundfutters. Nur wenn die Silage über Monate hinweg stabil, schmackhaft und hygienisch einwandfrei bleibt, kann die Ration ihr volles Potenzial entfalten. Auf dem Römerhof werden so durchschnittliche Tageszunahmen von rund 1'400 g erreicht.

Der Maststall, seit rund fünf Jahren in Betrieb, ist in ein durchdachtes Kreislaufsystem eingebunden. Ein Regenwassertank mit einem Volumen von etwa 1'200 m³ sammelt Wasser, das für Beregnung und Pflanzenschutz genutzt wird.

Eine zentrale Rolle spielt die Futterkonservierung. Insgesamt stehen rund 3'500 m² Siloraum zur Verfügung. Die Harvestore-Silos sind als geschlossenes System ausgeführt. Während des Gärprozesses entstehende Gase sammeln sich in den «Lungen». Das Kohlendioxid bleibt im System und wirkt konservierend. Bei einer Gasdichte von etwa 8 bis 12 % wird der Sauerstoff verdrängt, wodurch Fehlgärungen und Nacherwärmung deutlich reduziert werden. Das Resultat sind geringere Futterverluste und eine konstant hohe Silagequalität.

Ein wichtiges Prinzip des Betriebes Widmer lautet: Keine Silage wird zu früh geöffnet. Rund 20 % Futterreserven sichern ausreichende Lagerzeit, sodass das Futter erst dann eingesetzt wird, wenn es vollständig stabil ist.

Auch bei der täglichen Fütterung setzt der Betrieb auf Präzision. Eine Unten-Entnahmefräse übernimmt die Silageentnahme und ist bis zu eineinhalb Stunden täglich im Einsatz. Sie gilt als zentrales Element im Fütterungsmanagement und wird im Betrieb selbst gewartet und kontinuierlich optimiert. Die Tiere werden nach dem Label «Terra Suisse» von Migros gehalten.

Ergänzt wird der Betrieb durch die Direktvermarktung: Unter dem Label «Römerhof Beef» werden Fleischprodukte direkt ab Hof verkauft, ergänzt durch Honig und weitere Produkte im Hofladen.

Über die Jahrzehnte ist so ein Betrieb gewachsen, der Futterbau, Konservierung, Tierhaltung und Lohnarbeit nicht als einzelne Bereiche versteht, sondern als eng verzahntes Gesamtsystem – getragen von einer Familie, die dieses Zusammenspiel täglich lebt.

 

Anmerkung: Der Betrieb wurde von Kirsten Müller im Rahmen der achten Generalversammlung der Silovereinigung (Schweizerische Vereinigung für Silowirtschaft) besucht.

Autorin: Kirsten Müller

Bilder: Kirsten Müller

 

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