E-Bikes sind heute auf Land-, Nebenstrassen und Flurwegen häufig anzutreffen. Für Fahrerinnen und Fahrer landwirtschaftlicher Fahrzeuge bringt dies zusätzliche Herausforderungen

Moderne E-Bikes unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum noch von herkömmlichen Velos. Gleichzeitig erreichen sie jedoch deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten. Dies erschwert es anderen Verkehrsteilnehmenden, die Annäherung des Zweirads richtig einzuschätzen. Wer davon ausgeht, dass das Velo noch weit weg sei, kann überrascht werden, wenn das E-Bike bereits wenige Sekunden später neben dem Fahrzeug auftaucht.
Auch für die Fahrerinnen und Fahrer der E-Bikes ist das Risiko erhöht, denn mit steigender Geschwindigkeit verlängert sich der Anhalteweg erheblich. Gleichzeitig verkürzt sich die Zeit, um auf unerwartete Situationen zu reagieren, für alle Beteiligten.
Zum Vergleich: Je nach Reaktionszeit und Fahrbahnzustand steht ein reguläres Velo bei einer Geschwindigkeit von zirka 15 km/h nach ungefähr 10 m still. Bei einem E-Bike mit 25 km/h sind dies schon 20 m, und ein schnelles E-Bike mit 45 km/h hat bei den gleichen Voraussetzungen einen Anhalteweg von rund 40 m!
Kollisionen mit E-Bikes ereignen sich besonders häufig im Bereich von Kreiseln, Kreuzungen oder Einmündungen. Häufig werden sie übersehen oder ihre Geschwindigkeit wird unterschätzt.
Besonders anspruchsvoll sind Situationen, in denen landwirtschaftliche Fahrzeuge nach links oder rechts abbiegen, das Kreuzen von E-Bikes auf engen Feldwegen und das Ausfahren von Feldern. Lange Fahrzeugkombinationen, grosse Anbaugeräte und tote Winkel erschweren die Übersicht zusätzlich.
Rücksichtnahme, Mitdenken und vorausschauendes Fahren sind unbedingt notwendig - sowohl von der Person auf dem E-Bike wie auch von allen übrigen Verkehrsbeteiligten am Steuer von Autos, Lkw und landwirtschaftlichen Fahrzeugen.
Landwirtschaftliche Fahrzeuge lassen sich nicht so spontan abbremsen, und sie können nicht so flinkr ausweichen wie ein Velo. Deshalb ist eine vorausschauende Fahrweise besonders wichtig.
Folgende Massnahmen erhöhen die Sicherheit:
• sicherstellen, dass Beleuchtungsanlagen an Traktor, Anhängern und Anbaugeräten jederzeit einwandfrei funktionieren
• verschmutzte Fensterscheiben reinigen
• Spiegel reinigen und korrekt einstellen
• Anbringen von Zusatzspiegeln zur Verminderung toter Winkel
• Frontanbaugeräte mit korrekt eingestellten Spiegeln bzw. Kamera-Monitorsystemen ausrüsten
• vor jedem Abbiegen frühzeitig blinken, auch auf Nebenstrassen & Flurwegen
• deutliches Einspuren, wenn es die Situation erlaubt
• unmittelbar vor dem Abbiegen nochmals ein gründlicher Kontrollblick nach beiden Seiten, nach hinten und nach vorn
• erhöhte Aufmerksamkeit im Bereich von Radstreifen und Radwegen
• erhöhte Aufmerksamkeit bei Sichtbehinderungen durch Hecken, Kulturen oder Gebäude
• beim Kreuzen von Velos auf schmalen Wegen Geschwindigkeit drosseln bzw. anhalten
• Geschwindigkeit herannahender Zweiräder genau beobachten, im Zweifelsfall warten
• Verschmutzungen der Strasse durch Erde oder Erntegut möglichst vermeiden und rasch beseitigen
Autor/Foto: BUL
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