Die Hitze hat die Schweiz seit Wochen im Griff, und ein Ende ist nicht absehbar. Punktuelle Gewitterschauer haben daran nichts geändert. Im Gegenteil: Was fehlt, ist nicht der kurze Regen, sondern tagelanger, gleichmässiger Niederschlag, damit die Böden überhaupt wieder Wasser aufnehmen können.

Die Folgen sind sichtbar – und spürbar. In vielen Betrieben liegen die Nerven blank. Mais ohne Kolben wurde landesweit gehäckselt, gleichzeitig wird hektisch nach Futter gesucht. Die Schlachtzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Juli wurden laut Proviande rund 3'500 Kühe mehr geschlachtet als im Vorjahr. Das ist kein statistischer Ausreisser, sondern ein Alarmsignal.
Auch bei den Zuckerrüben verdichten sich die schlechten Nachrichten. Trockenstress und Rüsselkäfer setzen den Beständen zu, vielerorts drohen Ausfälle. Faule Ware ist nicht lieferfähig, und damit steht nicht nur die Ernte, sondern die gesamte Wertschöpfungskette unter Druck. Die Kampagne wird zur Bewährungsprobe.
Diese Situation zwingt zum Nachdenken – und zu unbequemen Fragen. Wasser ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein knappes Gut. Wer jetzt noch glaubt, es handle sich um ein vorübergehendes Extrem, macht es sich zu einfach. Der Umgang mit Wasser gehört ins Zentrum, auf den Betrieben ebenso wie im Alltag.
Und doch: Das Jahr ist nicht nur schwarz. Die Getreide- und Rapsernten sind besser ausgefallen als befürchtet, im Ertrag und Hektolitergewicht. Ein Wermutstropfen bleiben die tiefen Proteingehalte. Es zeigt sich einmal mehr: Die Landwirtschaft bewegt sich zwischen Extremen – und zwischen Überraschungen.
Gerade deshalb gilt: Landwirtschaft ist Unternehmertum. Wer produziert, trägt Risiken. Extreme Jahre sind keine Ausnahme mehr, sondern Teil der Realität. Strategien zur Risikostreuung, zur Anpassung und zur Absicherung sind keine Option, sondern Pflicht. Wer darauf hofft, dass andere die Folgen abfedern, setzt auf das falsche Geschäftsmodell.
"Die nächste Dürre kommt bestimmt – die Frage ist nur, wer darauf vorbereitet ist."
Kirsten Müller, Geschäftsführerin Verband Lohnunternehmer Schweiz
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