Frauen tragen in den Lohnbetrieben oft gleich viel Verantwortung wie Männer, trotzdem stehen sie in der Aussenwahrnehmung oft in der zweiten Reihe. Wie Karin Suter das wahrnimmt und damit umgeht, haben wir sie gefragt.

Kirsten Müller: Karin, welche Ausbildung hast du gemacht, und wie bist du zur Landwirtschaft gekommen?
Karin Suter: Ich habe Vermessungszeichnerin gelernt und die Berufsmaturität gemacht. Später habe ich den Fachausweis Bäuerin erworben. Ich komme aus Freienwil (AG) wie mein Mann, aber nicht von einem Landwirtschaftsbetrieb. Wir sind früh zusammengekommen, und so war ich viel bei ihm auf dem Hof.
Du hast mit 22 Jahren geheiratet – hattet Ihr ein gemeinsames Ziel?
Mein Mann hat den Lohnbetrieb aufgebaut, und ich habe von Anfang an mitgearbeitet. Mit den Kindern und dem Familienalltag sind meine Aufgaben allmählich gewachsen. Seit einigen Jahren bin ich für das Büro zuständig. Inzwischen beschäftigen wir sieben Mitarbeitende.
Ihr habt als Familie auch eine schwere Zeit erlebt. Hat dir die Arbeit auf dem Hof damals geholfen?
Ja. Unser Sohn erhielt als Kind die Diagnose Hirntumor und ist 2018 gestorben. Die Struktur des landwirtschaftlichen Alltags hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Es gab Aufgaben, die erledigt werden mussten. Solch eine Erfahrung verändert auch den Blick auf andere Probleme. Man wird in manchem demütiger, dankbarer und gelassener. Mein Mann und ich konnten darüber sprechen; wir haben diese schwere Zeit gemeinsam durchgestanden.
Zurzeit absolvierst du eine höhere Fachschule in Betriebswirtschaft. Was hat dich dazu bewogen?
Unsere Tochter ist inzwischen erwachsen, und ich habe mehr Zeit für das Unternehmen. Mein Mann arbeitet sehr gern draussen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass im Büro alles richtig läuft: Offerten müssen ausgearbeitet und Arbeiten sorgfältig kalkuliert werden. Ich möchte dafür das fachliche Rüstzeug haben und diese Aufgaben selbstständig übernehmen können. Das erste Jahr der Weiterbildung habe ich gerade abgeschlossen. Sie hilft mir, wirtschaftliche Zusammenhänge noch besser zu verstehen und mehr Dinge selbst zu organisieren und zu regeln.
Wie teilt ihr die Aufgaben im Lohnunternehmen auf?
Wir besprechen grössere Anschaffungen gemeinsam. Bei einer Maschine trifft mein Mann die wirtschaftliche Entscheidung und sieht, welche Möglichkeiten sich damit für den Betrieb eröffnen. Er ist vor allem für das operative Tagesgeschäft zuständig und gern an der Front mit dabei. Das Büro ist inzwischen fast gänzlich mein Bereich.
Was gefällt dir an deiner Arbeit besonders?
Ich liebe es, zu planen und zu organisieren – besonders wenn es rundgeht. Gerade in Arbeitsspitzen und bei knappen Zeitfenstern sorgt eine durchdachte Einsatzplanung dafür, dass draussen alles optimal läuft. So kann ich aus dem Büro heraus meinen Teil dazu beitragen. Ein Wendepunkt war die Einführung von Agrarmonitor: Die Software hat neue Möglichkeiten eröffnet, verlangt aber auch jemanden, der im Hintergrund verlässlich die Fäden zusammenhält.
Zum Betrieb: Welche Arbeiten stehen bei eurem Lohnunternehmen im Mittelpunkt?
Schwerpunkte sind die Landschaftspflege und die Bodenverbesserung. Wir bringen unter anderem Kompost aus und erbringen Dienstleistungen für Gemeinden, Kanton und Private. Kernkompetenz ist die Pflege von Strassenbegleitgrün, vom Waldrand über die Hecke bis zum Bankett und der Böschung.
Ihr setzt auch HVO100 ein. Wie kam es dazu?
Ich habe einzelne Module im Bereich Umweltingenieurwesen besucht. Dort hörte ich von HVO und begann anschliessend, mich zu Hause näher damit zu beschäftigen. Gemeinsam haben wir recherchiert und geprüft, ob wir den Kraftstoff im Betrieb einsetzen können. Die Umstellung hat gut funktioniert. Gerade bei Aufträgen für Kantone oder Gemeinden ist das Thema Emissionen relevant. Wir reduzieren den CO₂-Ausstoss auch dort, wo schwere Spezialmaschinen unverzichtbar sind. Dass wir diesen Weg konsequent gehen, macht mich stolz.
Weiterbildung scheint dir wichtig zu sein.
Unbedingt. Ich finde es wichtig, offen für neue Themen zu bleiben. Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Aber wenn man sich damit beschäftigt, entdeckt man Möglichkeiten, die man vorher vielleicht gar nicht gesehen hat.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Kunden?
Das ist unterschiedlich. Wer Aufträge gern per E-Mail erteilt, kommuniziert meist auch bei Rückfragen direkt mit mir. Andere greifen lieber zum Telefon oder kommen vorbei, um etwas persönlich zu erklären. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit von unseren Kunden respektiert wird.
Wo erlebst du dennoch, dass Frauen im Lohnunternehmen anders wahrgenommen werden?
Bei Anlässen oder in Gesprächen wird oft ganz selbstverständlich mein Mann gefragt, was er macht und wie sein Geschäft läuft. Dass ich ebenfalls eine Aufgabe im Unternehmen habe, wird nicht immer von Anfang an gesehen. In der Landwirtschaft wird häufig vorausgesetzt, dass der Betrieb dem Mann gehört und er ihn führt. Wer uns kennt, weiss aber, welche Aufgaben ich übernehme. Wenn ich etwas anpacke und umsetze, spüre ich durchaus Respekt. Manchmal dauert es als Frau einfach länger, bis die eigene Kompetenz wahrgenommen wird.
Du siehst eure unterschiedlichen Stärken als Vorteil für den Betrieb?
Ja. Mein Mann und ich führen nicht genau gleich. Er sieht gewisse Dinge, die mir vielleicht weniger auffallen, und umgekehrt gehe ich auf Aspekte ein, die er anders gewichtet. Für einen Betrieb ist es wertvoll, wenn beide Sichtweisen Platz haben. Entscheidend ist für mich, dass daneben meine Arbeit im Unternehmen ebenso gesehen wird.
Wie zeigt sich dein Einfluss bei der Mitarbeiterführung?
Seit Anfang Jahr haben wir einmal im Monat eine Teamsitzung. Wir bereiten sie gemeinsam vor, und ich bringe dort auch eigene Themen ein. Kommunikation und der Umgang miteinander sind mir wichtig – sowohl gegenüber den Mitarbeitenden als auch gegenüber den Kunden.
Entwickelt ihr euer Team weiter?
Aus meiner Sicht gehört das heute dazu in Zeiten knappen Facharbeitskräfte. Für November planen wir mit dem Team einen Visionstag. Ich habe die Idee eingebracht und zuerst gefragt, ob die Mitarbeitenden überhaupt Interesse daran haben. Auch diejenigen, die schon sehr lange bei uns arbeiten, wollten mitmachen. Das freut mich, denn ein solcher Tag kostet Zeit und Geld. Er ist nur sinnvoll, wenn alle bereit sind, sich einzubringen. Begleitet werden wir von einer externen Fachperson.
Was wünschst du dir für die Zukunft eures Unternehmens?
Ich wünsche mir, dass langjährige Partnerschaften und die Qualität einer Arbeit wieder stärker zählen. Bei Ausschreibungen habe ich im Moment oft den Eindruck, dass vor allem der Preis entscheidet: Wer ist am günstigsten? Grundsätzlich sind wir jedoch zufrieden und lieben, was wir tun.
Was gibt dir ausserhalb der Büroarbeit einen Ausgleich?
Die Zeit mit unserem Hund tut mir gut. Ich bin auch gern bei den Kühen, mache den Stall oder hole die Tiere von der Weide. Obwohl das ebenfalls zum Betrieb gehört, empfinde ich es anders als die Arbeit im Büro. Ich schätze es zudem sehr, dass ich meinen Tag in einem gewissen Rahmen selbst einteilen kann.
Interview/Bild: Kirsten Müller
"Zitat: Ich liebe es, zu planen und zu organisieren – besonders wenn es rundgeht. Gerade in Arbeitsspitzen und bei knappen Zeitfenstern sorgt eine durchdachte Einsatzplanung dafür, dass draussen alles optimal läuft."
Karin Suter
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