Mit einer Ertragserwartung von 20dt TS-Herbstertrag und mindestens 30–40dt TS im Frühling trägt ein überwinterndes Zwischenfutter sehr viel zur Grundfutter-Versorgung bei. Damit diese Erträge realisiert werden, braucht es im Herbst 40–60, im Frühling 50–80 warme, feuchte Vegetationstage.

Doch lohnt sich der Zwischenfutteranbau überhaupt? Die ca. Fr. 750.–/ ha Anbaukosten, die lediglich auf den Herbst- und Frühlingsertrag verbucht werden können, sind nur wenig tiefer als bei den längerdauernden Kunstwiesensaaten, wo die Kosten, auf viel mehr Ertrag verteilt werden kann. Darum ist Zwischenfutter klar teurer als das übrige Grundfutter. Nicht einberechnet ist dabei die mögliche direkte, betriebswirtschaftliche Auswirkung, die nicht zwingend in jedem Jahr, pauschal negativ sein müssen. Sie hängen vielmehr von der Bewirtschaftungsweise, dem Standort und dem Wetter zusammen, welche die Verfügbarkeit von Nährstoffen nötiger Wärmesumme, Wasser sowie Bodenstruktur beeinflussen. Es bedarf eine betriebswirtschaftliche Abwägung zwischen dem Wert des Zwischenfutters und den zusätzlichen Kosten für Bodenbearbeitung und einem allfälligen Mais-Minderertrag. Dabei ist der Ertrag des Zwischenfutters entscheidend, je tiefer der ausfällt, desto teurer wird das Futter.
Am Strickhof Lindau wurde im Frühling 2021/22 ein Schnittstrategieversuch mit anschliessender Maissaat durchgeführt. Ziel war, aufzuzeigen, wie sich Ertrag und Gehalt bei drei unterschiedlichen Schnittzeitpunkten entwickelt und welche Auswirkung diese Vornutzung auf den Maisertrag hat. Basis war eine Italienisch Raigras-Rotkleemischung, die in Streifen praxisüblich bewirtschaftet wurde. Die frühe Grasnutzung wurde durchgeführt, als die ersten Landwirte mit dem Silieren begannen, der zweite Termin folgte knapp 2 Wochen später, der dritte Zeitpunkt war Ende Mai, als das italienische Raigras in die Ähren kam. Zudem wurde auf dem Frühschnittstreifen zeitgleich mit dem Spätschnitt eine zweite Nutzung durchgeführt. Danach wurde schnellstmöglich Mais gesät. Um den Einfluss der Vornutzung auf den Maisertrag zu erheben, wurde zudem eine Frühsaat Mais Mitte April und eine Normalsaat Anfangs Mai ohne Vornutzung angelegt, wobei die Normalsaat zeitgleich mit derjenigen der Frühschnittsaat ausgesät wurde.
Frühe Maissatten im April brachten tiefere Silomaiserträge als Saaten Anfang Mai in den Jahren 2021/22 am Strickhof. Das gleiche gilt bei Maissaaten nach einer Vornutzung. Im regnerischen 2021 konnte der Mais bei den Spätsaaten nur knapp ausreifen und brachte dadurch tiefere Erträge. Ähnliches passiert in diesem Jahr, wo der Mais nach einer Vornutzung deutlich mehr an Wassermangel leidet, und daher deutliche Ertragsreduktionen bringen wird.
Frühe Schnittnutzungen im Frühling bringen tiefe Erträge. Eine um höchstens zwei Wochen spätere Nutzung bringt schnell eine Ertrags-Verdoppelung bei kaum reduzierten Gehaltswerten. Die MJ-NEL Gehalte nehmen bei den klassischen Zwischenfutterbaumischungen nur sehr langsam ab. Eine Zweischnittstrategie lohnt sich nie, weder beim Ertrag noch beim Gehalt. Je früher man den ersten Schnitt erntet, desto grösser und schlechter ist der zweite Aufwuchs. Zwischenfutter ist teuer, doch kann man damit die Hauptfutterfläche reduzieren oder Ertragslücken schliessen. Knapp drei Hektaren schönes Zwischenfutter ersetzen eine Hektare übrige Futterfläche. Das rentiert jedoch nur dann, wenn das volle Ertragspotential des Zwischenfutters und des Mais ausgenützt und auf der «gewonnenen» Ackerfläche eine hohe Wertschöpfung generiert wird.
Für weitere Auskünfte: Strickhof, Beratung & Fachstellen Hanspeter Hug, Fachbereich Ackerbau Eschikon 21 | 8315 Lindau +41 58 105 98 52,
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